Krav Maga

Krav Maga gilt als unschlagbare Kampfsportart des israelischen Militärs und rühmt sich, eine der zuverlässigsten, wenn auch gnadenlosesten Nahkampf-Strategien der Welt zu sein. Die Rede ist von Krav Maga, einer Art der Selbstverteidigung, die sich gerade in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreut. Mit schwer zu konternden Spezialgriffen und unvorhersehbaren Schrittmustern soll dieser Kampfsport selbst bewaffnete Täter das Fürchten lehren. Voraussetzung für das Beherrschen von Krav Maga ist jedoch ein fokussiertes Training, in dem Schüler wie Trainier bewusst an ihre Grenzen gehen, um im Ernstfall bestmöglich gewappnet zu sein.

Was ist Krav Maga? 

Der Name Krav Maga stammt aus dem Hebräischen und bedeutet „Kontaktkampf“. Er beschreibt eine Nahkampftaktik, die in hohem Maße auf intuitiven Abwehrreflexen basiert. Es gilt, die Unvorhersehbarkeit einer kraftvollen Gegenwehr in Gefahrensituationen zu trainieren, ohne dabei gewaltsame Willkür auszuüben oder gar auf Waffen zurückzugreifen. Vielmehr soll kämpferische Aggression kontrolliert zur Anwendung kommen und zur Entschärfung der Lage beitragen. Temperamentvolle Schadensregulierung also, die einem Kontrahenten auch ohne Waffengewalt massiv zusetzen kann, wenn dieser sein „Kismet“ herausfordert. In seinen Grundzügen vereint Krav Maga dabei die Vorzüge unterschiedlicher Nahkampfsportarten durch eine variierende Kombination aus

  • Ausweichmanövern
  • Griffmustern
  • Hebeltechniken
  • Schrittfolgen
  • Schlägen und Tritten

Idealer Weise nehmen Krav Maga Schüler dank ihres Trainings gefährliche Situationen wahr, bevor sie überhaupt entstehen. Gewaltvermeidung steht bei dieser Kampfsportart trotz ihres gefährlichen Rufes also im Vordergrund. Nur wenn kein anderer Ausweg bleibt, erfolgt ein Gegenangriff. Dann jedoch wird das volle Potential körperlicher Schlagfertigkeit und Wendigkeit mobilisiert. Ziel dieser Verteidigungsstrategie ist es, sich im Notfall selbst bei bewaffneten Angriffen aus kurzer Distanz effizient verteidigen zu können, und zwar durch physische Kontrolle der Situation.

Geschichte der israelischen Kampfkunst Krav Maga

Die Entstehungsgeschichte von Krav Maga ist eng geknüpft an das tragische Kapitel der Judenverfolgung während dem Zweiten Weltkrieg. Erfunden wurde die Kampftechnik von dem Sportler und Kampfkunstexperten Imrich Lichtenfeld, der zu Zeiten des Nationalsozialismus in Bratislava aufwuchs. Als Sohn einer jüdischen Familie war er dort logischer Weise ständigen Konfrontationen mit Anhängern des NS-Regimes ausgesetzt. Dem entgegen stand jedoch ein ambitionierter Vater namens Samuel Lichtenfeld, seines Zeichens slowakischer Polizist und später Hauptkommissar der Stadtpolizei Bratislava. Einst als Ringer und Gewichtheber für einen Wanderzirkus tätig, gründete er zu Beginn des 20. Jahrhunderts den städtischen Schwerathletikverein Hercules, in dem er neben seinen Schülern auch seinen Sohn unterrichtete. Zu den Lektionen des jungen Imrich gehörte neben Boxen, Ringen und Gymnastik auch die fernöstliche Kunst des Jiu-Jitsu. Dahinter verbirgt sich eine alte Kampfkunst der japanischen Samurai, die auf waffenlose Selbstverteidigung setzt.

Der väterliche Einfluss in Imrich Lichtenfelds Werdegang als Begründer des Krav Maga ist nicht zu übersehen. In den 1920ern und 1930ern gewann er bereits zahlreiche Meisterschaften im Ringen und Boxen, den Kardinaldisziplinen seines Vaters. Als junger Anführer einer inoffiziellen Schutztruppe, die sich für die Sicherheit der jüdischen Bevölkerung in Bratislava engagierte, geriet Imrich Lichtenfeld während dem Zweiten Weltkrieg zudem wiederholt in Straßenkämpfe mit Antisemiten. Seine Nahkampferfahrungen während dieser Zeit legten den Grundstein für die Entstehung von Krav Maga. Einem Schüler berichtete er später, dass er während den Kämpfen immer wieder reflexartige Verteidigungsschritte ausführte, die ihn selbst überraschten. Er war überzeugt, dass es sich hierbei um evolutionäre Überlebensstrategien handelte, die zwar jedem Menschen innewohnten, jedoch nur durch gezieltes Training unter Stressbelastung perfektioniert werden könnten.

Lichtenfelds Nahkampf-Fähigkeiten sollten später durch Tätigkeiten im Dienst der slowakischen und britischen Armee weiter verfeinert werden. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges siedelte er schließlich nach Palästina um, wo er zunächst die Mitglieder der jüdischen Untergrundorganisation Hagana im Nahkampf unterrichtete. Bei der Gründung des israelischen Staates 1948 hatte der Kampfkunstmeister so bereits hohes Ansehen unter den hiesigen Streitkräften erlangt, weshalb er in Folge zu deren Chefausbilder für Fitness und Krav Maga an der militärischen Kampfschule Israels ernannt wurde. Ab 1978 gab Imrich Lichtenfeld sein Wissen dann auch vermehrt an öffentliche Sicherheitskräfte und Zivilisten weiter. 1996 gründeten einige seiner Schüler auf ausdrücklichen Wunsch ihres Mentors hin schließlich die International Krav Maga Federation, die sich fortan der weltweiten Verbreitung von Krav Maga widmete. Heute wird die Kampfkunst als Methode zur Selbstverteidigung von den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten ausgeübt, darunter:

  • Ärzte – zur Selbstverteidigung bei medizinischen Notfällen mit Gewaltbeteiligung
  • Frauen und Mädchen – zum Schutz vor Sexualstraftätern und häuslicher Gewalt
  • Jugendliche – z.B. als Verteidigungsmöglichkeit gegen Mobber
  • Polizei – zur Verteidigung bei Auseinandersetzungen mit Kriminellen
  • Sicherheitspersonal – zum Selbstschutz und zum Schutz von Klienten

Krav Maga im Training

Soldaten und Polizisten üben mit Krav Maga Techniken meist den verbesserten Diensteinsatz ohne Dienstwaffe, um tödliche Schüsse so gut es geht zu vermeiden. Damit die Kampfkunst hier so effizient wie möglich sein kann, werden die Übungen regelmäßig aktualisiert und von Profis des israelischen Militärs bei Bedarf ergänzt. Sie analysieren fortwährend neue Angriffstaktiken von Kriminellen und passen dann die Verteidigungsmechanismen des Krav Maga an die neue Bedrohungslage an. Lehrer und Metoren der Kampfkunst müssen sich darum regelmäßig sogenannten Trainer Drills unterziehen, um auf den neuesten Stand zu bleiben. Selbst ein Experte dieser Nahkampfstrategie lernt also niemals aus.

Krav-Maga-Lehrer sind wie ihr großes Vorbild Imrich Lichtenfeld meist auch in anderen Kampfsportarten bewandert, was von Vorteil ist, wenn man stetig neue Schritt-, Griff- und Schlagkombinationen ins Training einbinden muss. Diese können neben Elementen aus dem Boxen, Ringen und Jiu-Jitsu auch andere Kampfkünste wie Karate oder Kung-Fu involvieren. Und auch im Training ähneln die genannten Nahkampfvarianten dem Krav Maga sehr. Die Übungen setzen auf maximale Stressbelastung, die bei jeder realen Auseinandersetzung gegeben ist. Entsprechende Stresssituationen werden deshalb gezielt simuliert, denn die Verteidigungsmaßnahmen sollen zwar spontan erfolgen, müssen gleichzeitig aber auch zielgerichtet und mit äußerster Präzision ablaufen, wenn sie einen echten Angriff abwehren sollen.

Ein wichtiger Teil des Trainings ist diesbezüglich das Prüfen der Kampfsportschüler unter realen Bedingungen mit unvorhergesehenen Spontanangriffen durch erfahrene Trainingspartner. Hierfür werden alltägliche Gefahrenorte gewählt und vom Trainingsteam vorab eine Angriffssituation für den Ernstfall ausgearbeitet, die anschließend simuliert wird. Der Prüfling soll durch dieses Vorgehen besser auf echte Angriffe vorbereitet sein und lernen, Krav Maga nicht nur in der Trainingshalle auszuführen, sondern auch in herkömmlichen Alltagssituationen. Ebenso kann durch das Realtraining der Einsatz alltäglicher Hilfsmittel sowie die Nutzung örtlicher Fluchtwege besser verinnerlicht. Nicht zuletzt lernen die Schüler so auch, Selbstverteidigung in normaler Freizeit- bzw. Arbeitskleidung auszuüben. Vor dem Training unter Realbedingungen wird der Krav-Maga-Lehrer außerdem den Adrenalinspiegel des Schülers durch intensive Aufwärmübungen in die Höhe treiben, um ein authentisches Stresslevel zu simulieren.

Vorteile von Krav Maga

Ein beunruhigender Anstieg tätlicher Übergriffe auf Passanten hat Krav Maga Schulen landesweit in den letzten Jahren zahlreiche neue Mitglieder beschert. Viele Menschen möchten sich im Alltag besser vor Angriffen schützen können und so dem gesellschaftlichen Terror die Stirn bieten. Das Selbstverteidigungstraining ist aber nicht nur zum Schutz der eigenen Person hilfreich. Daneben kann Krav Maga auch

  • Ausdauer und Fitness verbessern,
  • die Sinne schärfen,
  • Reflexe und Reaktionsfähigkeit schulen,
  • das persönliche Einschätzungsvermögen fördern
  • und das Selbstvertrauen stärken.

Gerade der letzte Punkt ist ein wichtiger Grund, weshalb auch Jugendliche immer öfter Krav Maga lernen. Sei es nun wegen Mobbing in der Schule oder einem allgemein geringen Selbstwertgefühl – das Selbstverteidigungstraining hilft dabei, mehr Vertrauen in sich selbst zu haben und seinen Mut in Gefahrensituationen unter Beweis zu stellen. Unter der Anleitung erfahrener Lehrmeister wird so aus einem ängstlichen und schüchternen Teenager auch schon mal ein selbstbewusster junger Erwachsener. Krav Maga kann also vieles und zumindest ein Schnupperkurs in Frankfurt ist definitiv zu empfehlen.