Typografie

Typografie – Die Kunst der schriftlichen Gestaltung

Das richtige Wort am richtigen Ort kann Berge versetzen. Aus diesem Grund ist es bei der 

Gestaltung mit Worten sehr wichtig, diese richtig zu platzieren. In der Druckkunst, ebenso wie im Mediendesign gibt es für diese Art der schriftlichen Gestaltung einen speziellen Begriff: Typografie.

Was ist Typografie?

Typografische Maßnahmen beschrieben einst sehr explizit die Kunst des Schriftsetzens. Gerade heutzutage ist mit der Typografie aber nicht nur die bloße Abbildung einer Schrift innerhalb eines entsprechenden Mediums gemeint, sondern der gesamte Gestaltungsprozess beim Erstellen schriftlicher Inhalte. Wer also einen Aufsatz am Computer verfasst und diesen optisch ausgestaltet, betreibt ebenso Typografie wie ein Buchverlag, der seinen neuesten Bestseller optisch in Szene setzt oder ein Webseitenbetreiber, der seiner Seite und dem darauf befindlichen Content ein geeignetes Design verpasst. Die wichtigsten typografischen Hilfsmittel hierfür sind die Textformatierung und das Einbinden grafischer Elemente in den typografischen Inhalt. Zur Textformatierung gehören diesbezüglich unter anderem:

  • Schriftart
  • Schriftgröße
  • Schriftfarbe 
  • Aufzählungszeichen
  • Blocksatz
  • linksbündiger, rechtbündiger oder zentrierter Text
  • kursive, fettgedruckte oder unterstrichene Wörter 
  • hoch- oder tiefgestellte Buchstaben
  • Texteinzüge und Zeilenabstand

Grafische Elemente können ergänzend zum Beispiel aus Designelementen wie Bildgrafiken, Logos, Zierlinien oder Ornamenten bestehen. Ebenso sind bewusst gewählte leere Flächen und Hintergrundgrafiken zur optischen Hervorhebung des Textes teil der typografischen Ausgestaltung.

Von Hieroglyphen und Holztafeln – Die Geschichte der Typografie

Die Ursprünge dieser komplexen Fertigkeit schriftlicher Gestaltung lassen sich bereits in den alten Keilschriften und Hieroglyphen der Antike finden. Kunstvoll mit Schriftsymbolen behauene Schrifttafeln, Monolithe, Höhlen- und Pyramidenwände waren folglich die ersten typografischen Kunstwerke der Welt. Hinzu kamen Unmengen von Schrift- bzw. Papyrusrollen, die in gewisser Weise als Ursprung der Printmedien zu verstehen sind. Neben der Typografie der alten Ägypter und Babylonier sind diesbezüglich auch die Schriftwerke asiatischer Hochkulturen zu erwähnen, wie sie etwa im alten China oder in Japan üblich waren. Insbesondere China gilt hier auch als Ursprung des Blockdrucks. Ein typografisches Verfahren, das den Druck von Schriften und Bildern durch vorab angefertigte Holzschnitte erlaubte und als Vorläufer des Buchdrucks gilt.

In Europa verfeinerten später die Griechen und Römer diese anfänglichen Formen der Typografie und erschufen nach dem Vorbild der Hieroglyphen das Fundament für moderne Schriftsysteme. Zur Vollendung fand das Handwerk der Typografie unbestritten im Mittelalter. Dies nicht ganz ohne Zutun religiöser Bestrebungen. Denn es waren zu großen Teilen europäische Klöster, in denen der moderne Buchdruck entstand. Religiöse Schriften, historische Zeitzeugenberichte, Briefe sowie heilkundliche Aufzeichnungen zu Kräutern und Krankheiten stellten dabei einige der ersten schriftlichen Inhalte dar. 

Die Geburtsstunde der Printmedien

Im 15. Jahrhundert erfand Johannes Gensfleisch, den die meisten wohl eher unter dem Namen „Gutenberg“ kennen dürften, schließlich den modernen Buchdruck. Er ermöglichte durch den Einsatz von beweglichen Metalllettern erstmals den individuellen Seriendruck von typografischen Erzeugnissen. Gutenbergs Druckerpresse ersetzte so im späten Mittelalter den bis dahin gebräuchlichen Holztafeldruck, der nur mit unbeweglichen Schriftblöcken auskam. Dank des neuen Druckverfahrens nach Gutenberg waren der Typografie fortan deutlich mehr Optionen in der Gestaltung gegeben, was sich in einer Fülle neuer Druckformate wiederspiegelte, wie zum Beispiel:

  • Flugblätter
  • Kalender 
  • Kataloge
  • Plakate
  • Postkarten
  • Verpackungen
  • Zeitschriften

Eine wahre Kunst machte aus dieser neuen Form der Typografie der Jugendstil, auch bekannt als „Art Nouveau“. Die Kunstströmung, die sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte, ist berühmt für ihre grafisch ausgefallene Kombination von Malerei und Schrift durch kunstvoll geschnörkelte Ornamente und Schriftarten. Als wichtigster Vertreter des Jugendstils gilt dabei der tschechische Maler, Illustrator und Grafiker Alfons Mucha. Seine Buchillustrationen und Theaterplakate sind legendär und gelten als Pionierwerke des modernen Grafikdesigns. 

Es ist nicht verwunderlich, dass der Kunstepoche heute sogar eine ganze Schriftfamilie, nämlich die Art Nouveau Fonts gewidmet ist. Sie zählen zu den dekorativsten Schriftarten überhaupt, wobei zu der Schriftfamilie nicht nur Muchas klassische Schnörkelschrift zählt, sondern auch die Kennschriftart des berühmten Glasgower Architekten, Grafikers und Kunsthandwerkers Rennie Mackintosh. Ein weiterer Vertreter des Jugendstils, der als Mitbegründer der modernen Typografie in Design und Grafik gilt. Auffallend ist, dass Typografie und Grafikdesign ab dem 20. Jahrhundert vermehrt gemeinsam Fortschritte machten. Eine Entwicklung, die schon wenige Jahrzehnte später in einer völlig neuen Medienform ihren Höhepunkt finden sollte.

Digitale Medien revolutionieren die Typografie

Mit der Erfindung des Computers gegen Ende des letzten Jahrhunderts ergaben sich auch für die Typografie entscheidende Umwälzungen. Der Buchdruck und damit auch viele gängige Formate der Printmedien wurden immer häufiger durch digitale Formate ersetzt. Eine Veränderung, die rückwirkend nicht von allen gleichermaßen positiv beurteilt wird. Vor allem Buchverleger klagen aufgrund der zunehmenden Digitalisierung schriftlicher Inhalte immer wieder über einen schwindenden Absatzmarkt. 

Leser und Grafiker sehen in digitalen Medien dagegen eine deutlich vereinfachte Handhabe typografischer Inhalte. Und auch an das Handwerk der Typografie gebundene Berufsbilder wurden dank Onlinemedien wesentlich attraktiver, interessanter und experimentierfreudiger. Digitales Grafikdesign, 3D-Grafik und Webdesign sind hierbei nur zwei von vielen neuen Berufsfeldern, die im Zuge der Mediendigitalisierung entstanden. Zu den neuen typografischen Medieninhalten gehören dabei viele Formate, die wir eigentlich tagtäglich nutzen, so zum Beispiel:

  • Chats und Messenger
  • Ebooks
  • Emails
  • Interfaces von PC- und Konsolenspielen
  • Internetseiten und Blogs
  • Online-Magazine und Online-Zeitschriften
  • Video- und Musik-Streaming

Tipps zur typografischen Gestaltung

Typografie kann, wenn richtig durchgeführt, jedem Schriftstück das gewisse Etwas verleihen. Dabei kommt es aber nicht nur auf die Hervorhebung bestimmter Textpassagen und Überschriften an. Auch ein bloßes Blümchen, das grafisch wahllos an einer beliebigen Textstelle platziert wird, macht noch keinen typografisch professionellen Inhalt. Worauf es bei der Textgestaltung wirklich ankommt, ist ein harmonisches Zusammenspiel von Schrift und grafischen Designelementen, wie es schon vom Jugendstil demonstriert wurde. Aus diesem Grund, hier ein paar Orientierungshilfen:

  • Schriftart: Unterschiedliche Schriftarten innerhalb eines Textes sollten nach Möglichkeit aus derselben Schriftfamilie gewählt werden. Kombinationen wie Times New Roman und Comic Sans sind demnach eher ungünstig. Eine Ausnahme bildet hier die Textüberschrift. Da sie ohnehin einer besonderen Hervorhebung bedarf, kann sie meist auch eine individuelle Schriftart erhalten. Der Rest des Textes sollte dann allerdings ein einheitliches Schriftbild aufweisen.
  • Schriftgröß3: Überschriften werden in der Regel etwas größer gewählt als der darauffolgende Fließtext, wobei ein Mittelwert für Zwischenüberschriften zu bedenken ist. Üblich sind Schriftgrößen von 14 pt bis 18 pt für Hauptüberschriften und 12 pt bis 14 pt für Zwischenüberschriften. Der Fließtext rangiert in Sachen Größenordnung meist zwischen 10 pt und 12 pt.
  • Schriftauszeichnung: Zwischenüberschriften können alternativ zu einer abweichenden Schriftgröße auch durch Fettschrift oder Fettkursivschrift hervorgehoben werden. Bloße Kursivschrift ist üblicher Weise für Merksätze oder Randinformationen sowie wichtige Eigennamen und Zitate vorbehalten. Ergänzend kann man Überschriften auch unterstreichen. 
  • Textausrichtung: Die gängige Textposition für Fließtext ist eine linksbündige Ausrichtung oder, gerade bei Online- und Zeitungsinhalten, der Blocksatz. Überschriften, ebenso wie Gedichte und kurze Zitate werden dagegen häufig zentriert. Eine rechtsbündige Formatierung bietet sich wiederum für Signaturen, Seitenzahlen, Datums- und Zeitangaben an.
  • Absätze und Einschübe: Textabsätze sollten immer logisch gewählt sein. Sie bieten sich zum Beispiel für deutlich lesbare Sprechpausen oder das Ende eines Sinnabschnittes an. Texteinschübe wiederum empfehlen sich für Aufzählungen oder Vermerke. Gerade für Aufzählungen mit mehreren Ebenen bietet sich zudem eine Kombination aus Absätzen und Einschüben an.
  • Symmetrie in Grafik und Design: Wer sich die wichtigsten Schriftsysteme etwas genauer ansieht, der wird feststellen, dass geometrische Formen wie Rechtecke, Dreiecke oder Kreise über alle Zeitalter hinweg den Charakter der meisten Alphabete prägten. Ein Aspekt, der auch in der Typografie von großer Bedeutung ist. Die grafische Ausgestaltung eines Textes durch Designelemente und Bilder sollte nämlich stets einer geometrischen Symmetrie folgen. Zu diesem Zweck kann es hilfreich sein, das Gestaltungskonzept zunächst mit Platzhaltern und Leerräumen vorzuplanen.

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